Digitale Revolution vs. Gesellschaftliche Evolution: Wer gewinnt? Wer verliert?

Am vergangenen Montag, den 07.11.2016 fand im Regionalen Berufsbildungszentrum der Wirtschaft in Kiel eine Veranstaltung im Rahmen der Evangelischen Akademiewoche unter dem Titel „Digitale Revolution vs. Gesellschaftliche Evolution: Wer gewinnt? Wer verliert?“ statt.

Den Hauptvortrag hielt Frau Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Professorin für Soziologie an der Universität Hohenheim. Weitere Impulse steuerten Dr. Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, Heiko Gröpler, Abteilungssekretär Struktur-, Industrie- und Dienstleistungspolitik, DGB Nord und ich selbst bei.

In der Kernfrage der Veranstaltung ging es vor allem darum, ob der Mensch mit der Digitalisierung umzugehen weiß oder von ihr vereinnahmt wird:

 

Die Digitalisierung verändert unsere Wirtschaft und unsere Lebenswelt. So soll die »Industrie 4.0« unsere
Wirtschaft wettbewerbs- und unsere Gesellschaft zukunftsfähig machen, neuer Wohlstand generiert und
Konsumentenwünsche noch individueller bedient werden.
Gleichzeitig steht der Mensch mit seiner Arbeit zunehmend in Konkurrenz zu Computern und Robotern.
Dabei stellt sich die Frage, ob wir als Gesellschaft versuchen, blind einer technologischen Revolution zu folgen
oder ob wir die Chancen nutzen, uns weiterzuentwickeln und den Wandel aktiv zu gestalten.

Wir werden zukunftssicherer, je mehr wir die Zukunft kommen hören.

Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig für Staat und Gesellschaft, sich frühzeitig mit dem digitalen Wandel auseinanderzusetzen. Dieser Prozess, also das Wissen um den digitalen Wandel und die Beschäftigung mit dem Thema, lösen erst die eigentliche Transformation aus. Denn Transformation ist nicht Innovation. Innovationen kennen wir als Weiterentwicklung bereits bestehender Produkte oder Prozesse. Bei der Transformation hingegen kommt es darauf an, Dinge umzusetzen oder zu tun, die es noch nicht gibt und zu etwas Neuem zu machen. Moderne Technologie bietet uns dazu in erster Linie Gelegenheiten an. Es ist an uns zu entscheiden, was davon nützlich und wichtig für uns ist und in unserer Situation den größtmöglichen Sinn ergibt.

An dieser Stelle müssen wir uns auch auch die Frage nach ethischen Grundsätzen stellen. Warum tun wir die Dinge so, wie wir sie tun? Deckt sich die Nutzung mit unseren Grundwerten? Und wo bleibt der Mensch, wenn die Maschine übernimmt?

 

  • Wollen wir, dass alle routinemäßigen Aufgaben durch Maschinen ersetzt werden?
  • Lernen wir zukünftig überhaupt noch zu schreiben?
  • Sollen Anwälte durch Maschinen ersetzt werden, weil Sie viel schneller Ergebnisse ermitteln können?
  • Wollen wir, dass einfache Tätigkeiten in der Pflege, von Pflegerobotern übernommen werden?

 

In der digitalen Welt von morgen braucht es Ethik, Werte, Kultur, Balance, Sozialkontakte, Privatsphäre und auch Datenschutz. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, die Überlappung der beiden und welche ethischen Grundwerte wir als Maßstab anlegen – das sind die Kernthemen, mit denen wir uns in der Frage der Digitalisierung und der digitalen Arbeitswelt auseinandersetzen müssen.

Wenn es um Effizienz geht, dann wird die Maschine immer besser sein als der Mensch. Doch es geht nicht nur um Effizienz allein, sondern auch um die Bedeutung für den Menschen.

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