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Digitalisierung ist für uns alle eine Herausforderung. Wir spüren, dass sie unsere Produkte, die Art und Weise wie wir diese produzieren und vertreiben ebenso verändert wie unser Geschäftsmodell. Will mein Kunde eine Bohrmaschine oder ein Loch in der Wand? Reicht es, wenn ich jemandem, der ein Bild aufhängen will, Hammer und Nagel reiche? Oder muss ich zukünftig fragen, wie schwer das Bild ist, aus welchem Material die Wand und welche Befestigungsmöglichkeiten der Rahmen bietet, um ihm die beste Lösung zu bieten? Und wie erfahre ich die Antworten und welche Fragen wichtig sind?

Zusätzlich lassen wir uns von Scheindebatten über digitale Infrastruktur ablenken. Aus dem Wust der Begriffe um Sensorik, Künstliche Intelligenz, Predictive Maintenance, Deep Learning, Machine Learning etc. entsteht ausreichend Verwirrung, um das Thema Digitalisierung im Stapel der Aufgaben nach unten rutschen zu lassen, bis sich der Schlachtenrauch verzogen hat.

 

Falsch!

Das konnten wir in der Vergangenheit tun. Exponentiell wachsende technische Möglichkeiten, unbegrenzte und bei Bedarf zur Verfügung stehende Rechner- und Speicherkapazität haben Markteintrittsbarrieren und Branchengrenzen verschwinden lassen. Und alle Branchen und Unternehmensgrößen sind davon betroffen.

Aber darin liegen eben auch Chancen. Und heute gilt mehr denn je: Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen. Weil die Entwicklungen so schnell sind, findet man sich schneller am Ende der Nahrungskette (oder Supply Chain) wieder, als einem lieb ist. Heute tauchen aus dem Nichts Spieler auf, die wir gar nicht in der Marktbeobachtung hatten oder die es vor ein paar Stunden noch gar nicht gab. Sie nehmen bestehende Produkte und veredeln sie, in dem sie die Produkte selbst oder das Geschäftsmodell digitalisieren. Beispiele dafür kennen wir alle. Und widerstehen trotzdem nicht der Versuchung wegzusehen.

 

Warum ist das so? Ich sehe drei Gründe:

Bequemlichkeit:

In der Blase aus niedrigen Zinsen und für Deutschland zu stark abgewertetem Euro geht es uns gefühlt zu gut. Norddeutsch gesprochen: Während vor der hohen Hafenmauer die See rau ist und der Wind geht und unsere Wettbewerber, die nicht im Hafen der Glückseligkeit liegen, alles festzurren und ihre Schiffe sturmfest machen, liegen wir hinter der Hafenmauer windgeschützt in der Sonne und lassen das laufende Gut einrosten und das stehende verrotten. Das Schiff schwimmt ja – noch. Und uns geht es ja gut – solange wir im Hafen bleiben können. Und dazu kommt, das wir im Schnitt einfach alt sind und älter werden. Und schon Frank Schirrmacher fragte in seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“: „Warum soll eine Gesellschaft, die durchschnittlich langsamer Auto fährt, schneller denken?“ Jetzt wollen Sie widersprechen? Tun Sie das! Aber noch besser: Handeln Sie!

Angst:

Das neue hat den Menschen schon von jeher Angst gemacht. Das hat sich nicht geändert: Dampfmaschine, Eisenbahn, Auto, Computer. Und der Mensch hat schon immer Mythen entwickelt, um zu verdrängen: Geschwindigkeiten über 80 km/h gefährden die Gesundheit, es gibt nicht genügend Fahrer für so viele Autos, es werden Weltweit nur 8 Computer benötigt. Und die Angst und die Mythenbildung wurden schon immer ausgenutzt: von mutigen Investoren, von schlauen Innovatoren, von kundenorientierten Menschenfängern. Und obwohl sich auf einem Abstraktionsniveau die Geschichte wiederholt, ändern wir nicht unser Verhalten.

Vermeintliche Unwissenheit:

Wir glauben, nicht zu wissen, wie wir mit der Herausforderung umgehen sollen. Dabei unterschätzen wir nicht nur uns selbst, in unserer Fähigkeit Probleme zu lösen, sondern auch die Fähigkeit unserer Organisationen mit „Schwarmintelligenz“ sich als Organismus anzupassen. Harry, der kleine rote Fisch, der anders denkt und anders handelt, ist uns suspekt. Er wird ausgesondert, ohne daß wir schauen, warum er handelt, wie er handelt, und ohne zu analysieren, was das Ergebnis der Handlung wäre. Und ohne in Erwägung zu ziehen, dass wir von Harry etwas lernen könnten.

 

Mut ist das, was hilft.

Und Mut kann im Unternehmen nur an der Unternehmensspitze entstehen. Dort kann Verantwortung und Freiheit gewährt werden. Dabei wird Verantwortung gewährt, in dem Sie übernommen wird. Der Unternehmer muss für seinen Kurs die Verantwortung übernehmen und nicht Attacke rufen und bei den ersten immer eintretenden Verlusten auf die Mannschaft verweisen. Wenn er seine Verantwortung nimmt – Haltung beweist, werden auch die Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und gewährte Freiheiten verantwortlich nutzen. Und in dieser Freiheit entsteht Gestaltung. Und das brauchen wir heute mehr und schneller denn je: Gestaltung. Aber Gestaltung, das weiß jeder Künstler, der per se ein kleiner Harry (s.o.) ist, braucht Raum – das leere Blatt – und Mut, den Raum – das leere Blatt – zu füllen. Und jeder kann das. Wenn man sich vor ein leeres Blatt setzt, wird man es füllen. Erst mit Gedanken oder Hilfslinien, dann mit Worten oder Formen und am Ende gibt es eine Geschichte oder ein Bild. Wann war noch die letzte langweilige Sitzung? Und wie sah der Schreibblock oder Kronkorken der Mineralwasserflasche hinterher aus?

Ein Kapitän braucht Mut, zur großen Fahrt aufzurufen, wenn es doch im Hafen so lauschig ist. Ein Unternehmer braucht Mut, die eigene Angst vor Veränderung zu überwinden und anderen Vorbild zu sein und Herausforderungen anzunehmen. Und es braucht Mut, sich und anderen etwas zuzutrauen.

Und manchem mag dabei Gottvertrauen helfen. Denn manchmal stehen in alten Büchern schlaue Dinge: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheus 1,7) Jeder mag für sich entscheiden, wer sein Gott ist, was die Quelle seiner Kraft ist, wie er im Unternehmensumfeld Liebe interpretiert und was Besonnenheit ist. Aber in diesem einen Satz findet sich viel Anregung für ein mutiges Handeln in bewegten Zeiten. Seien Sie mutig!

Und beantworten Sie am Ende dieses Blogs für sich die Frage: „Are You a Man or a Mouse?“ Und / oder diskutieren Sie mit mir über den Blog-Beitrag.

Unser Gastautor

Guido Schwartze verbindet tiefe Kenntnisse im Innovations- und F&E-Management aus Studium und Praxis mit fundierten Prozessmanagementkenntnissen. Diese hat er im Bereich des Supply-Chain-Managements erheblich auf alle industriellen Prozesse unter Einbindung von RFID-Technologie ausgedehnt, bevor er auf dieser Basis die Leitung einer internen Unternehmensberatung zu den Themen Strategie, Prozesse und Steuerung übernahm. Seine Verbindung von betriebswirtschaftlicher Sicht und technischem Verständnis macht ihn heute zu einem wertvollen Gesprächspartner, wenn es um digitale Geschäftsmodelle und deren digitale Umsetzung in oder außerhalb des eigenen Unternehmens geht.

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